Sonderausstellung "Serpentina"

Ausstellung “Serpentina – die Schlange im Schmuck der Welt“


Mit einem Leckerbissen begann das Winterprogramm der Ladies 2012. Sie trafen sich gleich am Anfang des neuen Jahres, am 10. Januar, im Foyer des Schmuckmuseum Pforzheim im Reuchlinhaus. Heide Kast führte die große und interessierte Gruppe gekonnt durch diese einzigartige Sonderausstellung „Serpentina – die Schlange im Schmuck der Welt“ – der Mythos von Gut und Böse -. Dieses Wesen beschäftigt nicht erst seit Adam und Eva die Menschheit. Rund 100 Millionen Jahre alt, fasziniert sie Menschen seit Anbeginn, lässt sie vor ihrem dämonenhaften Wesen erzittern, an ihre Heilkunst und ihre Abwehrkraft gegen böse Mächte glauben. Und diese besondere Ausstellung zeigt Exponate, die an Schönheit, Magie und Glamour kaum zu überbieten sind. „Serpentina“ hat Kurator Fritz Falk diese Schau überschrieben in Anlehnung an E.T.A. Hoffmanns Novelle „Der goldene Topf“, in der sich der junge Anselm in das als Schlange erscheinende Mädchen Serpentina verliebt. Es gibt die Schlange auch in der Musik, sei es beim Flötenspiel zu Schlangenbeschwörungen oder in der Welt der Oper bei Mozarts Zauberflöte. In der Literatur findet sich das Reptil als Motiv bei den Gebrüdern Grimm und bei Goethe.


Von Vitrine zu Vitrine staunten die Ladies über diese Kostbarkeiten: der Schlangenarmreif der berühmten Schauspielerin Sarah Bernhardt (1844-1923), von ihr angeregt, von Alphonso Mucha entworfen und von George Fouquet meisterhaft umgesetzt, der Schlagenarmreif mit Heraklesknoten aus dem Griechenland des 3. bis 2. Jahrhunderts vor Christus, (wie der getragen wurde, zeigt eine kleine Statuette, die „orientalische Aphrodite“ aus Smyrna um Christi Geburt), zwei römische Ringe mit dem Schlangenhaupt der Medusa, Goldscheibenfibeln der Alemannen, Broschen der Wikinger, Beschläge von Pferdezügeln, ein Schlangenstockknauf von Fabergé in St. Petersburg um 1900 und vieles sehr vieles Kostbare mehr. Auch Queen Victoria entdeckte an sich ein Fable für Schlangen. Ihr Mann Albert entwarf für sie Schlangenhalsbänder, die sie gerne trug und auch verschenkte mit winziger Locke unterm Edelstein verzierten Maul. Auch der Jugendstil tobte sich mit grandiosen Arbeiten um die Schlange aus, z.B. René Lalique, von ihm stammt der riesige Brustschmuck mit neun Schlangenköpfen. Bruno Martinazzi und Mario Pinton, Schmuckgestalter der Gegenwart, nehmen die historischen Motive auf und übersetzen sie in zeitgenössische Kunst.


Ob gut oder böse, der Faszination Schlange wird sich die Menschheit nie entziehen können.


R. Waidelich